Berlin-Neukölln: Roamers

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Auf der Suche nach den schönsten Orten in Berlin, an denen man bei einem schmackhaften Cappuccino den Nachmittag verbummeln kann, begann ich 2011 auf “Kaffeehäuschen” verschiedene Cafés zu portraitieren. Lange lag es brach, nun geht es peu a peu weiter. Den Anfang macht das “Roamers” in Neukölln.

Wer in Neukölln – zumindest in den gängigen Kiezen rund um die Weserstraße oder die Schillerpromenade – auf der Suche nach einem hübschen Café ist, wird nicht lange suchen müssen. In den vergangenen Jahren hat sich der (früher ziemlich verrufene) Bezirk zum place-to-be für die Berliner Bohème entwickelt – um mal in Klischees zu sprechen. Und auch wenn sich der Hipster an sich nur schwer definieren lässt, weist Neukölln dennoch eine gefühlt sehr große Hipster-Dichte auf.  Aber schwamm drüber: Denn wenn es dieser oft Hornbrillen-und-Vollbart-tragenden Spezies zu verdanken ist, dass es Orte wie das “Roamers” gibt, dann sind wir sehr gerne mittendrin.

Schon seit zwei Jahren befindet sich das kleine Café, welches mit vier Tischen und ein paar Bordsteinsitzen kuschelig klein geraten ist, in der Pannierstraße Nähe Hermannplatz. Mit untapezierten Wänden, stapelbaren Klassenzimmerstühlen, großen schwarzen Hängelampen über der Theke und Sukkulenten im großen Fenster ähnelt das “Roamers” seinen zahlreichen Café-Genossen im Kiez – und hat doch seinen ganz speziellen eigenen Charme.

Lag es an den Sonnenflecken, welche die schon wärmende Märzsonne am Nachmittag meines Besuches über den Boden huschen ließ? Den frischen Wildblumen und der alten Schreibmaschine auf der Holztheke? Oder dem bärtigen Kellner in Holzfällerhemd und Hosenträgern, der mir – ebenfalls sonnentrunken und lächelnd – einen cremigen Cappuccino (2,50€) und meiner Begleitung einen ganz famosen Smoothie (2,80€) bastelte?
Um das herauszufinden, werde ich wohl nochmal vorbeischauen müssen. Und nochmal…

Roamers
Pannierstraße 64
12043 Berlin
U: Hermannplatz
Di-So von 9 bis 20 Uhr
Facebook / Tumblr

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Berlin-Neukölln: Prachtwerk

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In Neukölln gibt es an jeder Ecke ein Café – meistens sogar gleich mehrere – und dennoch ist die Freude immer wieder groß, wenn ein neues eröffnet. Vorausgesetzt es sieht so einladend aus wie das “Prachtwerk” auf der Ganghoferstraße!

Groß und hell thront das Gebäude zwischen der trubeligen Karl-Marx-Straße und dem ehrwürdigen Stadtbad Neukölln und bietet sich somit als perfekter Pausenraum während einer Einkaufstour oder als Ruhepol nach dem Schwimmbadbesuch an. Hier wird man schon am Eingang von vollmundigem Kaffeegeruch begrüßt, denn das braune Gebräu steht hier im Mittelpunkt. Es kommt in vielerlei Varianten aus der “Five Elephant” Kaffeerösterei, die in Kreuzberg sitzt und somit echten, fair gehandelten Kiezkaffee produziert.

Natürlich gibt es auch verschiedene Teesorten und Kaltgetränke, die man sich neben seinen Kuchenteller stellen kann – denn ein Stück Kuchen sollte man hier auf gar keinen Fall entgehen lassen! 3,50€ für ein Stück Schokotorte? Das wirkt etwas happig auf den ersten Blick, doch happig ist auch die Portion, die dann serviert wird: so cremig und vollmundig, wie dieses Backwerk im Mund liegt, ist es jeden Cent wert. Neben süßen Naschwerk gibt es auch verschiedene Frühstücksteller, Sandwiches und Salate auf der Karte, die man mümmeln kann, während man auf einer der Sitzemporen seinen Blick über den hallenartigen Raum schweifen lässt.

Dieser ist so groß, dass ohne Probleme eine Bühne in der Ecke untergebracht werden konnte, auf der nun regelmäßig Konzerte jeglicher Coleur, DJ-Sets, Kunst und Theater stattfinden. Jeden Mittwoch gibt es außerdem eine Open Stage für Nachwuchskünstler, im urigen Keller befindet sich ein Raum für Kunstausstellungen und ein kleiner Laden für nachhaltige Produkte ist auch noch in Planung. Genügend Platz ist ja vorhanden!

Prachtwerk Berlin
Ganghoferstr. 2
12043 Berlin
So, Mo, Di, Do 10.00h bis Mitternacht
Mi, Fri, Sa 10.00h bis 2.00h
U7 Rathaus Neukölln oder Karl-Marx-Straße

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Berlin-Neukölln: Klunkerkranich

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Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, sagt/singt man – im “Klunkerkranich” steht man nicht ganz so hoch, hat aber dennoch einen fabelhaften Blick über ganz Neukölln und weite Teile von Berlin. Wer hätte gedacht, dass ein Parkdeck so charmant sein kann?

Berlin ist reich an ausgefallenen Lokalitäten die in ein Café umgewandelt wurden, doch der “Klunkerkranich” ist wohl eine der kuriosesten: Er residiert auf dem obersten Parkdeck der Neukölln Arcaden auf der Karl-Marx-Straße auf 2.500 m2 und hat sich binnen eines Jahres zum place to be für alle Stadtnomaden gemausert. Sommers wie winters kann man hier seinen Kaffee schlürfen oder Pizza, Salat (ca. 5€) und Kuchen (2-3€) mümmeln und die Augen über die Stadtsilhouette schweifen lassen, Satellitenschüsseln auf den Häuserdächern zählen oder Wolkenbilder enträtseln.

Im Winter wird das aus Holzlatten, alten Fenstern und Türen typischer Berliner Altbauten bestehende Gebäude kurzerhand frostfest gemacht, damit auch in den langen, dunklen und verschneiten Monaten keine Langeweile aufkommt. Sei es ein Weihnachtsmarkt, Konzerte, VoKü oder Flohmärkte – der Kranich ist für ein ausgeklügeltes Programm in seinem Nest bekannt, für das sich der Weg in das Herz des Bezirks definitiv lohnt.

Klunkerkranich
Parkdeck 6 / Neukölln Arcaden
Karl-Marx-Straße 66
12053 Berlin
U: Karl-Marx-Straße
Mo-Sa von 10 bis 24 Uhr
Sonntag von 12 bis 24 Uhr
Facebook

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Berlin-Kreuzberg: Fräulein Wild

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„Treffen wir uns am Kotti“: Das Kottbusser Tor ist ein Schwall aus Verkehrsgeräuschen, U-Bahn-Knirschen und Bierflaschenklirren, über dem das „Zentrum Kreuzberg“ mit seinen unzähligen Satellitenschüsseln thront. Auf die Idee, hier gemütlich zu frühstücken, käme man auf den ersten Blick eher nicht. Doch ein paar Schritte weiter erstreckt sich die für Kreuzberger Verhältnisse fast schon pittoreske Dresdener Straße mit Babylon-Kino, Würgeengel – und „Fräulein Wild„.

Das in Pastellfarben gestrichene und mit Möbeln aus den 50er Jahren eingerichtete Café verströmt so viel Freundlichkeit und Gemütlichkeit, dass man die barsche Atmosphäre der Umgebung schnell vergisst. Hier kann man sich in einen der Sessel fallen lassen, die Füße unter den Holztischen ausstrecken und bei einer Tasse Kaffee oder Tee fünfe gerade sein lassen. Dazu vielleicht ein Stückchen hausgemachten Kuchen? „Wir backen alle unsere Torten & Kuchen selbst“ heißt es auf einer Schiefertafel an der Hauswand – und das schmeckt man.

Auch für den – für Berliner Verhältnisse – frühen Wurm ist bei „Fräulein Wild“ gesorgt: Es wird eine überschaubare, aber gut sortierte Auswahl an sättigenden Frühstücks-Variationen angeboten, darunter das Käse-Frühstück (7€), der Croissant-Marmelade-Klassiker (3€), Joghurt mit Müsli und Obst (3-5€) oder die Frühstücks-Etagere für zwei (13€). Während aus den Lautsprechern angenehm ruhige Musik ertönt und nur gelegentlich vom allgemeinen Café-Rauschen übertönt wird, rascheln am Fenster die – na klar – pastellfarbenen Papier-Pompoms und tauchen Kreuzberg in ein angenehm zuckriges Flair. Und hat das flauschige Plastikreh auf dem Klavier nicht gerade gezwinkert?

Fräulein Wild
Dresdener Straße 13
10999 Berlin
Di-So 10 bis 20 Uhr
U: Kottbusser Tor

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Berlin-Kreuzberg: Nest

Das Café „Nest“ ist nur spärlich besucht an diesem Sommernachmittag, an dem der Berliner Straßenasphalt vor Hitze verschwimmt und zu einem Spießrutenlauf für Barfußgänger wird. Ein kaum spürbarer Windhauch lässt die Lampions schwingen, die über meinem Kopf an der Markise angebracht sind, aus den Lautsprechern tönt entspannte Musik von Moloko.

Ein Tag, an dem das Stück Karottenkuchen (2,50 Euro) aus der englischen Hudson’s Bakery besonders groß und die Apfelschorle besonders kalt ausfällt – an diesem Ort, dessen Mischung aus unverputzten Wänden, großen schwarzen Industrielampen, alten Möbeln und frischen Blumen einen besonderen, irgendwie Berlin-typischen Charme ausstrahlt. Das „Nest“ ist zu jeder Jahres- und Tageszeit ein willkommener Anlaufpunkt für die Bewohner des Kiezes am Rande des Görlitzer Parks, denn sowohl Frühstück als auch Kuchen und große oder kleine Leckereien stehen auf der Speisekarte. Kreationen wie „Orangen-Fenchelsalat mit hausgebeiztem Lachs“ (5,80 Euro) oder „Zanderfilet mit Kartoffel Schmorgurken“ (11,90 Euro) lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die hausgemachte Rote Grütze mit Vanillesauce (4 Euro) könnte den krönenden Abschluss bilden.

Wer es schafft, an wolkigen Winterwochenenden einen der begehrten Plätze – sei es auf einem der beneidenswert gut erhaltenen schwedischen Designklassiker oder einem der mit abblätternden Pastellfarbe überzogenen Küchenstühlen – in den Räumen zu bekommen, darf sich zurücklehnen und verwöhnen lassen. Denn der Service ist schnell, freundlich und aufmerksam und die typische Berliner Schnoddrigkeit ist meilenweit entfernt.

Dass die viel benörgelte Gentrifizierung gerade im nördlichen, unweit der Spree gelegenen Kreuzberger Wrangelkiez wie ein Lauffeuer um sich gegriffen hat, bleibt auch hier nicht unbemerkt. Wirkt das Publikum doch meist wie ein Querschnitt durch die oberen Gesellschaftsschichten, die mit Vorliebe bei laktosefreiem Latte Macchiato die erschöpften Freiberufler-Gemüter zur Ruhe kommen lassen. Zahlreiche Spirituosen, Heiß- und Kaltgetränke oder Cocktails stehen ihnen dabei zur Seite. Ist die Sehnsucht zu groß, gibt es die Möglichkeit, sich einen Zugang für das Wlan zu erwerben.

Café Nest
Görlitzer Straße 52
10997 Berlin
Mo-So ab 10 Uhr
U2: Schlesisches Tor/Görlitzer Bahnhof

Berlin Prenzlauer Berg: Engelberg

Der Wunsch nach gut bürgerlichem, schnickschnackfreiem und bodenständigem Essen taucht – in Zeiten ständiger Abrufbarkeit und schnellen Snacks zwischendurch – heutzutage immer häufiger auf. Das „Engelberg“ in Prenzlauer Berg greift die Praxis der „Slow Food“-Bewegung auf und sollte erste Anlaufstelle für alle sein, die auf dicke, herzhaft belegte Stullen, hausgemachten Apfelkuchen und Weißwürste stehen.

Obwohl das Café mitten im Land der Latte Macchiato-Mütter und veganer Schonkost liegt, spielen ausgeklügelte Kaffeekreationen und tierfreundliche Speisen hier eher eine Nebenrolle. Ganz im Gegenteil, muss man sagen: Wagenradgroße Käselaibe, dicke Schinkenstücke und pralle Weißwürste liegen schmackhaft aufgereiht in einer großen gläsernen Theke, die den Blick der Besucher bereits beim Betreten des Cafés auf sich zieht.

Wer sich für einen Frühstücksteller entscheidet, bekommt – neben knackigen Brot- und Brötchensorten – wahlweise hauchdünne Salami-, Schinken- oder Käsescheiben serviert (Grundpreis mit einer Beilage 6,50 Euro). Alternativ kann das Bircher-Müsli mit knackigen Haferflocken und saisonalem Obst (4,50 Euro) auf voller Länge überzeugen. Die Getränketruhe hält unter anderem fünf verschiedenen Sorten von frisch gekeltertem Apfelsaft (2,80 Euro) oder Rhabarberschorle bereit.

Das Einrichtungskonzept des kleinen Cafés verzichtet auf Folklore-Kitsch aus Bayern zu Gunsten einer puristischen Großstadt-Einrichtung: Große, rustikal wirkende Holztische mit Löchern, schwarz lackierte Fabriklampen, gußeiserne Kochtöpfe gefüllt mit frischen Äpfeln und Holzkisten mit einer riesigen Auswahl an Weinsorten bilden zusammen eine Atmosphäre, die „die gute alte Zeit“ mit einer gehörigen Portion stilvoller Modernität verbindet. Wer sich einen sonnigen Platz auf der kleinen Außenterrasse ergattern kann, hat außerdem die Möglichkeit, das charmant-kuriose Treiben auf einer der breitesten Straßen des Kiezes auf sich einwirken zu lassen.

Engelberg
Oderberger Straße 21
10435 Berlin
Di-Fr 8:30 bis 18:30 Uhr
Sa/So 9:30 bis 19:30 Uhr
Haltestelle: Eberswalder Straße

Berlin: Glory Whole -geschlossen!-

Update: Dieses Café gibt es leider nicht mehr.

„Bio-Sauerteigstullenhälfte mit Azurki-Bohnen-Tomatenmus“, auf Wunsch auch als „Klappstulle to go“ – das kleine Soutterrain-Café „Glory Whole“ (bitte nicht verwechseln mit der Bezeichnung „Glory Hole“) auf der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg muss man schon allein aufgrund dieser wundervollen Wortkreationen lieben. Bonus: Die hinter den Wortwürmern steckenden Gerichte sind wirklich lecker.

Auf Wunsch werden die dicken Sauerteigstullen auch beschmiert mit hausgemachtem Apfelgelee mit Rosmarin und Vanille oder Dattel-Walnuß-Gorgonzolacrème (1,90 Euro für die Hälfte, 2,90 Euro für die ‚Klappstulle‘), die man verzehrt, während man die neuesten Schuhmoden auf dem Bürgersteig beobachtet – wir befinden uns hier schließlich unter Straßenniveau.

Von Kelleratmosphäre kann hier allerdings keine Rede sein, eher charmant wirken die unverputzten Backsteinwände und der hellbraune Linoleumboden. Die für Berlin typische Einrichtungskombination aus alten Küchenstühlen, Schultischen, seidenen Lampenschirmen und plüschigen Sofas wirkt hier keinesfalls mottenzerfressen, sondern wie ein schlüssiges Gesamtkonzept.

Dass die cremig-schmackhafte Kürbissuppe mit – auch für Prenzlauer Berg verhältnismäßig teuren – 5,50 Euro zu Buche schlägt, vergisst man gerne, während man den Kellnern und ihren rot-weiß-karierten Schürzen bei der Arbeit zuschaut und sich die Schlager und Chansons aus den 1930er und 40er Jahren sozusagen im Ohr zergehen lässt…

Glory Whole
Oderbergerstraße 13
10435 Berlin (Prenzlauer Berg)
Do – So 10 bis 18 Uhr
Haltestelle: Eberswalder Straße

Berlin-Schöneberg: Café Sorgenfrei

Wenn die Personen hinter der Theke pastellfarbene Petticoats tragen würden, wäre das nur konsequent. Doch da es sich bei den Besitzern des „Café Sorgenfrei“ in Schöneberg um zwei Männer handelt, müssen wir wohl vorerst darauf verzichten. Was aber nichts daran ändert, dass wir es hier mit einem Paradies für Liebhaber der 50er und 60er Jahre zu tun haben.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass den Einen oder Anderen beim Betreten des kleinen Geschäftes auf der Goltzstraße die Reizüberflutung überwältigt: Das „Sorgenfrei“ ist bis in den hintersten Schlupfwinkel vollgestopft mit Pflanzen, Möbeln, Dekoration und Kuriositäten der zwei Jahrzehnte, in denen man für die tägliche Frisur mindestens eine Dose Haarspray verbrauchte und beim Kaffeeklatsch das Stückchen „Kalter Hund“ verzehrte.

Selbstredend darf dieser also auf der Speisekarte nicht fehlen, ebenso stehen weitere hausgemachte Torten (3,00 Euro) und Kuchen (2,70 Euro) als Begleitung zum Tässchen Kaffee zur Verfügung. Ganz unprätentiös und ohne hippen Schnickschnack gestaltet sich auch das Frühstücks- und Mittagsangebot: Früchtemüsli (3,50 Euro) oder Käse- bzw. Schinkenstullen (2,50 Euro) in den Morgenstunden, deftige Blumenkohl- oder Kartoffelsuppe, Kartoffelsalat mit Würstchen oder Toast Hawaii aus „Muttis Küche“ (4,50 Euro) zum Mittagessen. Natürlich serviert auf Resopaltischen im „Salz und Pfeffer“- Muster, geschmückt von pieksigen Kakteen und kugelrunden Vasen.

„Kauf dir was schönes“, steht in schwarzen Lettern auf der ersten Seite der Speisekarte: Es ist der Spruch, den man zu Kinderzeiten zu hören bekam, wenn der Opa einem heimlich ein Fünf-Mark-Stück zusteckte – und den sich das „Sorgenfrei“ zum Motto erkoren hat. Und an schönen Dingen mangelt es in diesem Café ganz bestimmt nicht.

Café Sorgenfrei
Goltzstraße 18
10781 Berlin (Schöneberg)
Di-Fr 12 bis 19 Uhr
Sa 10 bis 18 Uhr
So 13 bis 18 Uhr
Haltestelle: Eisenacher Straße

Berlin Prenzlauer Berg: Manolo

Die Eingangstür des Cafés wird aufgeworfen: Ein Mann mittleren Alters mit Trenchcoat und grauem Hut tritt ein, wirft einen Blick durch den Raum, setzt sich auf einen der Holzstühle am Fenster. Während er sich eine Zigarette anzündet, winkt er den Kellner heran, „Einen Kaffee bitte, schwarz!“.

Ob derartige Szenen heutzutage noch im „Manolo“ stattfinden, dafür sei an dieser Stelle nicht gebürgt – aber es gibt wohl kaum einen besseren Ort für konspirative Treffen oder heimliche Stelldicheins als das Café auf der Ecke Schönhauser Allee / Danziger Straße. Zumindest theoretisch: Denn auch wenn die dunkelgrün gestrichenen Hochbahnbögen mit der ratternden U2, die bis Hüfthöhe gerafften Gardinen an den Fenstern, die verschnörkelten Garderobenhaken und die zahlreichen Zeitungen an Holzgriffen einen Hauch New York der 1940er Jahre verströmen, befinden wir uns eben doch im Osten Berlins des 21. Jahrhunderts.

Platziert inmitten von großen Grünpflanzen und mit einer Tasse Cappuccino versorgt (klein 2,40 Euro) bietet sich das Manolo ideal zum people watching an, blickt man doch direkt auf die äußerst belebte Kreuzung Eberswalder Straße. Relativ leicht und unbeschwert lässt es sich hier den kompletten Nachmittag verbringen, sei es bei einem Stück „Kalter Hund“ (2,50 Euro) nach Großmutters Rezept, der äußerst kalorienreichen Herrentorte (3 Euro) oder Rum-Nuss-Kuchen (3 Euro). Auch verschiedene Spirituosen, Heiß- und Kaltgetränke werden gerne über den Vintage-Tresen gereicht.

Wer das Café zu Frühstücks-Zeiten aufsucht, kann zwar nicht auf eine ausgedehnte Frühstückskarte zurückgreifen, wie sie in anderen Cafés des Stadtteils üblich ist, dafür aber auf eine schmackhafte Auswahl an belegten Croissants, Laugenstangen und Körnerbaguettes (um die 3 Euro) oder Bircher-Müsli (2,90 Euro).

Nicht bei allen auf Gegenliebe stößt hingegen das Verbot von Kinderwagen – doch vielleicht ist es genau diese Einschränkung, die das Manolo zu einem angenehmen und ruhigen Anlaufpunkt inmitten des turbulenten Verkehrschaos macht.

Manolo
Schönhauser Allee 45 / Ecke Danziger Straße
10437 Berlin (Prenzlauer Berg)
Mo – Do 7 bis 22 Uhr
Fr / Sa 7 bis 24 Uhr
Haltestelle: Eberswalder Straße

Berlin-Dahlem: Café Lenné

Dahlem-Dorf. Die Haltestelle der U-Bahn, die uns zum Café Lenné am Botanischen Garten bringt, besteht aus einem hutzeligen Häuschen mit Reetdach. Wir sind umgeben von idyllischer Stille, denn es ist Samstagnachmittag und somit nicht die Zeit für die Studenten der Freien  Universität, um über den Campus zu laufen.

Dafür tummeln sich umso mehr Familien und ältere Ehepaare typischen, gut bürgerlichen Zehlendorfer Couleurs in dem riesigen Gewächshaus der Königlichen Gartenanstalt (die sich seit 1903 Vis-a-vis des Botanischen Gartens befindet), um den freien Nachmittag bei Kaffee und Kuchen zwischen Orchideen, Farnen und Blumenranken zu verbringen. Die ungewöhnliche – übrigens normal temperierte – Umgebung hat ihren Preis: Ein Stückchen Rhabarber-Streusel-Kuchen für 3,70 Euro, die Tasse Kaffee 2,40 Euro, ein Gläschen Tee ebenfalls.

Wer das Café Lenné zur Nahrungsaufnahme aufsucht, sollte sich beeilen. Die Speisekarte ist überschaubar, die Gemüse-Quiche (6,80 Euro), der Bohneneintopf (6 Euro) oder das warme Birnen-Ragout (6,50 Euro) sind zügig ausverkauft. Aber besonders empfehlenswert: Denn ganz im Sinne des Namenpaten Peter Joseph Lenné, einem bekannten Landschaftsarchitekten des Klassiszismus, werden die Zutaten nach Möglichkeit selbst angebaut.

Café Lenné
Altensteinstraße 15a
14195 Berlin-Dahlem
Winter: Di – Sa 10 bis 17:30 Uhr  / So 10 bis 17 Uhr
Sommer: Di – Sa 10 bis 19 Uhr / So 10 bis 16 Uhr
Haltestelle: Dahlem-Dorf (U3)