Berlin Prenzlauer Berg: Blumencafé

Es sieht in etwa so aus, wie man sich den Wintergarten einer exzentrischen, schon lange ergrauten alten Dame vorstellt: Unzählige Blumentöpfe mit großen und kleinen Grünpflanzen, alte Holzstühle mit Federkernsitzen, weiße Tischdecken – und Erwin, der Hauskater. Es könnte vielleicht die Wohnung von Frau Künicke aus dem 3.Stock sein – die übrigens immernoch in diesem Haus wohnt, wie mir der Besitzer des Blumencafés auf der Schönhauser Allee mit Blick auf das noch aus DDR-Zeiten stammende Namensregister aus dem Hausflur erklärt.

Bis 1998 habe sich hier ein rustikales Postamt befunden, erzählt er, nebenan eine kleine Drogerie. Seit sechseinhalb Jahren kann man hier nun in astrein gefilterter Luft Kaffee und Kuchen konsumieren oder Erwin zum schnurren bringen.

Auch eine Frühstückskarte ist vorhanden, wobei diese von mir allerdings kein Fleißsternchen für eine besonders gelungenes Angebot oder eine umwerfende Auswahl bekommt. Auch sind die Preise – selbst für Prenzlauer Berg – ziemlich gesalzen, ein Stück Torte schlägt mit satten 3,50 Euro zu Buche, ein gekochtes Ei mit 1,50 Euro.

Doch der Kaffee schmeckt und die Atmosphäre bietet euch genau die Prise Exzentrik, die man ab und zu gebrauchen kann.

Blumencafé
Schönhauser Allee 127a
10437 Berlin
Mo-Sa 7 bis 20 Uhr
So 10 bis 20 Uhr

Berlin-Kreuzberg: Lerchen & Eulen

Als ich  zum ersten Mal das Lerchen & Eulen in Berlin-Kreuzberg besuchte, saß ich in einem rostbraunen Plastikledersessel aus den 70er Jahren und starrte auf eine Leinwand, die über die unverputzte Backsteinwand des Cafés gespannt war: Es war Sonntagabend und Zeit für Tatort.

Das allwöchentlich stattfindende, im Prinzip schon etwas angegraute Ritual wird in Berlin schon seit geraumer Zeit gemeinsam praktiziert – und das Lerchen & Eulen steuert dazu die notwendige Wohnzimmeratmosphäre bei. Im kompletten Café findet man wohl schwerlich zwei Möbelstücke, die bezüglich Stil oder Baujahr zusammenpassen. Aber das ist genau der Grund dafür, dass ich diese Lokalität zu meinen absolut liebsten zähle (ein weiteres, durchaus gewichtiges Argument: Meine Redaktion befindet sich direkt nebenan).

Hier lümmelt man sich in besagte Plastikledersessel, sitzt kerzengerade auf wackelnden Küchenstühlen oder auf ausrangierten Turnkästen (verdrängte Erinnerungen an das ungeliebte Bockspringen im Sportunterricht inklusive). Das Tässchen Kaffee oder der mit viel Liebe gebackene Kuchen (sehr zu empfehlen ist der Apfel-Mascarpone-Kuchen, 1,70 Euro pro Stück) wird auf fleckigen Teekisten, Servierwagen aus rotem Plastik oder Nierentischchen abgestellt, auf denen kreisrunde Rotweinglasflecken von Anno Pief wilde Abende erahnen lassen.

Ist gerade keine Vase aus den 50er Jahren zur Hand, müssen die Wildblumen mit löchrigen Emaille-Töpfchen vorliebnehmen. Das passende Licht zum gemütlichen Schnackseln liefern Kerzen, die in leere Weinflaschen gesteckt wurden und neben der Eingangstür hängt ein wunderhübscher Siebdruck einer Eule (nunja, oder einer Lerche?) aus den 70er Jahren. Aus den Lautsprechern kommt leise Musik von Billie Holiday – und spätestens damit hat man meine Sympathie sicher.

Lerchen & Eulen
Pücklerstraße 33
10997 Berlin (Kreuzberg)
Tägl. ab 14 Uhr