Berlin-Kreuzberg: Nest

Das Café „Nest“ ist nur spärlich besucht an diesem Sommernachmittag, an dem der Berliner Straßenasphalt vor Hitze verschwimmt und zu einem Spießrutenlauf für Barfußgänger wird. Ein kaum spürbarer Windhauch lässt die Lampions schwingen, die über meinem Kopf an der Markise angebracht sind, aus den Lautsprechern tönt entspannte Musik von Moloko.

Ein Tag, an dem das Stück Karottenkuchen (2,50 Euro) aus der englischen Hudson’s Bakery besonders groß und die Apfelschorle besonders kalt ausfällt – an diesem Ort, dessen Mischung aus unverputzten Wänden, großen schwarzen Industrielampen, alten Möbeln und frischen Blumen einen besonderen, irgendwie Berlin-typischen Charme ausstrahlt. Das „Nest“ ist zu jeder Jahres- und Tageszeit ein willkommener Anlaufpunkt für die Bewohner des Kiezes am Rande des Görlitzer Parks, denn sowohl Frühstück als auch Kuchen und große oder kleine Leckereien stehen auf der Speisekarte. Kreationen wie „Orangen-Fenchelsalat mit hausgebeiztem Lachs“ (5,80 Euro) oder „Zanderfilet mit Kartoffel Schmorgurken“ (11,90 Euro) lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die hausgemachte Rote Grütze mit Vanillesauce (4 Euro) könnte den krönenden Abschluss bilden.

Wer es schafft, an wolkigen Winterwochenenden einen der begehrten Plätze – sei es auf einem der beneidenswert gut erhaltenen schwedischen Designklassiker oder einem der mit abblätternden Pastellfarbe überzogenen Küchenstühlen – in den Räumen zu bekommen, darf sich zurücklehnen und verwöhnen lassen. Denn der Service ist schnell, freundlich und aufmerksam und die typische Berliner Schnoddrigkeit ist meilenweit entfernt.

Dass die viel benörgelte Gentrifizierung gerade im nördlichen, unweit der Spree gelegenen Kreuzberger Wrangelkiez wie ein Lauffeuer um sich gegriffen hat, bleibt auch hier nicht unbemerkt. Wirkt das Publikum doch meist wie ein Querschnitt durch die oberen Gesellschaftsschichten, die mit Vorliebe bei laktosefreiem Latte Macchiato die erschöpften Freiberufler-Gemüter zur Ruhe kommen lassen. Zahlreiche Spirituosen, Heiß- und Kaltgetränke oder Cocktails stehen ihnen dabei zur Seite. Ist die Sehnsucht zu groß, gibt es die Möglichkeit, sich einen Zugang für das Wlan zu erwerben.

Café Nest
Görlitzer Straße 52
10997 Berlin
Mo-So ab 10 Uhr
U2: Schlesisches Tor/Görlitzer Bahnhof

Berlin-Kreuzberg: Schönes Café

Schönes Café“ steht in hellen Lettern über Eingangstür. Und in der Tat handelt es sich bei dem mitten in „Kreuzkölln“, unweit des Landwehrkanals gelegenen Cafés um einen hübschen Ort, an welchem man der kalten Winterluft in Berlin entgehen kann.

Wer Glück hat, ergattert den pinken Samtsessel, aus dessen Eckposition sich das gesamte Geschehen rund um die gläserne Theke beobachten lässt und in dem der Kaffeebesonders gut schmeckt. Doch auch mit anderer Sitzpositionierung gibt es einiges zu tun für die Augen: An den Wänden wechseln sich die Exponate verschiedener Künstler ab, von der hohen Altbaudecke baumeln verzierte China-Lampen und die Tischdecken halten alle klitzekleine Blümchenverzierungen bereit, als hätte man sie erst gestern aus dem Wohnzimmerschrank der Omi gemopst.

Waffel-Enthusiasten und Liebhaber des amerikanischen Pfannkuchen werden im „schönen Café“ leuchtende Augen bekommen, bietet die Speisekarte doch sowohl die klassische Herzchenwaffel mit Puderzucker (1,80Euro) , als auch ebenso schmackhafte wie kalorienreiche Bananen-Ahornsirup-Pancakes (4,80 Euro) oder beträufelt mit sündhafter Schokoladensauce (4,00 Euro) an. Mit der kleinen Auswahl an hausgemachten Kuchen ließe sich der Zuckerschock dann komplettieren.

Was die kuschelige Lokalität von anderen seiner Art unterscheidet, ist das Angebot der Kuchen-Backhilfe: Wer von Muttern oder Großmuttern noch ein uraltes, wohlig klingendes Rezept im Küchenschrank liegen, aber keine Zeit zum Ausprobieren hat, kann die Damen vom schönen Café zur Hilfe bitten. Flugs wird das Rezept ausprobiert und bei Gefallen ins Sortiment aufgenommen – mit namentlichem Verweis auf den Urheber.

Schönes Café
Dieffenbachstraße 54
10967 Berlin (Kreuzberg)
Haltestelle: Kottbusser Tor